Augen (Brachyzephales Augensyndrom)

© Therese Rodin

Hintergrund: Augenprobleme von Möpsen können unter dem Begriff „Brachycephales Okulares Syndrom” (BOS) zusammengefasst werden (ufaw.org.uk: 2011). Der Grund, warum Möpse an diesem Syndrom leiden, ist, wie der Begriff ausdrückt, daβ sie brachyzephal sind. Wie wir im Abschnitt über BOAS gesehen haben, ist ein Syndrom „ein Zustand, bei dem Abweichungen und Verletzungen in mehreren Organen des Körpers vorkommen und eine gemeinsame Ursache haben” (Definition des Karolinska Universitätsspitales, meine Übersetzung aus dem Schwedischen).

BOS ist schwerwiegend, weil es für die Betroffenen Leiden bedeutet und weil im Prinzip die gesamte Mopsrasse betroffen ist. Ufaw schreibt, daβ alle Möpse wahrscheinlich in gewissem Maße BOS haben, was von Barbara Braus, ECVO-zertifizierte Ophthalmologin, bestätigt wird. Sie sagt, daβ alle Möpse Entropium haben (persönliche Kommunikation). (Entropium ist ein Teil vom BOS.) Es gibt eine Studie, die 130 AKC-Möpse umfasste, von denen 87,6 Prozent eine pigmentierte Keratitis hatten, wie in den folgenden Grafiken von Cassie Smith zu sehen ist:

Die Statistiken des Genetic committee of the American College of Veterinary Ophthalmologists (ACVO) sehen allerdings nicht so schlecht aus. Zwischen 1991 und 2015 hatten durchschnittlich 43,7% der Möpse, deren Daten bei ACVO eingereicht wurden, normale Augen. Der Rest hatte eine Augenkrankheit. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Augenkrankheiten, die sie in ihrer Statistik aufgreifen und die Möpse stärker beeinflussen.

Diagnose         
Anzahl von Hunde:
1991 – 1999
633
2000 – 2009
1264
2010 – 2015
286
Entropium 21.8% 19.9% 16.1%
Distichiasis 11.7% 8.3% 5.2%
Pigmentöse keratit 18.6% 22.9% 51.7%
Persistierende Pupillmembran 5.5% 10.1% 11.5%
Normale Augen 42.7% 46.8% 41.6%

Das Merkmal des Mops, das BOS erzeugt, besteht darin, daβ die Augen zu flach im Schädel liegen, was bedeutet, daβ sie hervorstehen und somit ein Erscheinungsbild erzeugen, bei dem die Augen rund anstatt mandelförmig aussehen, was die normale Form ist (Wallin Håkansson et al. 2014: 5ff.). Dies führt zu einer Reihe unterschiedlicher Komplikationen, die je nach Brachyzephalie unterschiedlich stark sind (Tierklinik Hofheim; ufaw.org.uk):

  • hervorstehende Augen (Exophthalmus)
  • zu große Augenlider im Verhältnis zur Augengröße (Makroblepharon, auch Makropalpebralfissur genannt)
  • Schwierigkeiten die Augenlider vollständig zu schließen (Lagophthalmie)
  • das Einrollen des unteren Augenlids in den Augenwinkel (unteres mediales Entropium)
  • Nasenfaltenhaar, das die Hornhaut erreicht (Trichiasis)
  • Wimpern, die am falschen Ort wachsen und das Auge erreichen (Distichiasis)
  • zu wenig und/oder schlechte Tränenflüssigkeit
  • Bildung dunkler Pigmente im Auge durch äußere Reizung (pigmentierte Keratitis)
  • flieβende Tränen (Epiphora)
  • trockene Augen (Keratikonjunktivis sicca)
  • Wunden und/oder Entzündungen auf der Hornhaut (Hornhaut Ulkus)

Die verschiedenen Zustände können normalerweise durch Operationen und/oder Medikamente behandelt werden. Es ist jedoch nicht möglich, ein Ergebnis zu erzielen, bei dem Augen und Adnexa (der Bereich um die Augen) denen eines normalen und gesunden Hundes ähneln. Selbst nach einer Operation muss der Mops oft lebenslang mit Medikamenten behandelt werden.

Ziel: Keine Möpse sollen mit BOS geboren werden.

Strategie: Da sich das Problem aus dem brachyzephalen Schädel ergibt, muss der Schädel des Mops weniger brachyzephal werden. Ein normaler und gesunder Hund hat mandelförmige Augen und daher sollten Züchter darauf abzielen, daβ die Augen des Mopses mandelförmig werden. Da die Brachyzephalie so stark in der Rasse verwurzelt ist, müssen wir die Genetik einer Rasse mit einem nicht brachyzephalen Schädel einbringen, um den Schädel des Mopses zu verbessern. (Siehe weiter unter „Genetische Vielfalt“.) Dies wird auch von Ufaw empfohlen. Außerdem sollten nur die Möpse verwendet werden, die am wenigsten brachyzephal sind und nur einen geringen Grad BOS aufweisen.

Der schwedische Zwingerclub SKK hat auf seiner Website ein sehr gutes Dokument mit dem Namen „Hundars ögonhälsa” („Die Gesundheit der Hundeaugen”) (Wallin Håkansson et al. 2014). Dort stellen die Autoren das Konzept der „kritischen Kontrollpunkte“ vor, die Grenzen sind, die in der Zucht nicht überschritten werden sollten. Die kritischen Kontrollpunkte, die den Mops betreffen, die bei der Zucht berücksichtigt werden sollen, sind folgende:

  • hervorstehende Augen
  • der haarlose „starre Rand” zwischen Außenhaut und Auge ist nicht zu sehen (= Entropium)
  • große Nasenfalte
  • Tränenfluss im Gesicht

Wenn wir in der Zucht Möpse, die diese Eigenschaften haben, vollständig vermeiden würden, würde die gesamte Mops-Zucht enden, und das ist nicht realistisch. Stattdessen sollte jeder Züchter diese kritischen Kontrollpunkte berücksichtigen und nur Möpse in die Zucht lassen, die diese Eigenschaften nur in geringem Maße haben.

Links die runde Form der Augen wegen der hervorstehenden Augen, rechts die mandelförmigeren Augen:

Quellen und weitere Lesung:

Genetic committee of the American College of Veterinary Ophthalmologists (ACVO). 2015. Ocular Disorders presumed to be inherited in purebred dogs. www.ofa.org/wp-content/uploads/2016/09/Blue-Book-2015-8th-Edition.pdf 250319 zugegriffen.

Tierklinik Hofheim. „Augenprobleme bei kurznasigen Hunden (Mops, Französische Bulldogge und Co)”. Broschüre 200319 erhalten.

ufaw.org.uk „Pug: Brachycephalic Ocular Syndrome”. Genetic welfare Problems of Companion Animals. 250319 zugegriffen.

Wallin Håkansson, Berit, Sheila Crispin und Nils Wallin Håkansson. 2014. „Hundars ögonhälsa”. Webseite: skk.se. 250319 zugegriffen.

Kapitel in Strategien zur Zucht von gesunden Möpsen