Ein gesunder Mopsstandard

Dieser Rassestandard wurde entwickelt, um Mopszüchter zu ermutigen, einen Mops zu züchten, der dem „normalen Hund“ mehr ähnelt und weniger brachyzephal ist. Dazu brauchen wir einen modifizierten Rassestandard, der wissenschaftliche Forschung und Kenntnisse über die Anatomie von Hunden als Ausgangspunkt nimmt. Diese Arbeit wurde vor allem von deutschen Züchtern begonnen, die bereits vor 20 Jahren begannen, Zuchtklubs mit modifizierten Standards des Mopses zu entwickeln. Die Deutschen bezeichnen einen Mops mit dieser Anatomie gemeinhin als „altdeutscher Mops“. Später sahen deutsche Züchter auch die Notwendigkeit, zu auskreuzen, um einen genetisch und anatomisch gesünderen Mops zu erreichen. Wir arbeiten im Einklang mit letzterem und hoffen, zur Verbreitung dieser Zuchtmethoden des Mopses beizutragen. Wir begrüßen alle Mopszüchter, diesen neuen Weg einzuschlagen, um dem Mops seine Gesundheit zurückzugeben.

© Therese Rodin

Wie soll der Mops aussehen und warum?

Wir möchten dafür sorgen, daβ die Mopsrasse ihre liebenswerte, möpsige Mentalität beibehält und ein Äußeres hat, das dem Mops, wie er im 18. und 19. Jahrhundert aussah, ähnelt. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Gesundheit des Mopses und seiner Fähigkeit, ein Hund zu sein, mit den Sinnen, der Anatomie und der Aktivität. Dieses Mops-Ideal bedeutet, daβ das Aussehen des Mopses dem „normalen Hund“ ein wenig näher kommt, aus der Perspektive daβ „übermäßige Abweichungen von dem Äußeren des normalen Hundes kann dazu führen, daβ die Rasse gesundheitliche Probleme bekommt“ (Lindholm et al. 2015, 33, meine Übersetzung).

1. Schädel

Der Kopf soll proportional zum Körper sein. Er soll nicht zu groß oder zu breit sein, mit zu flachem Hinterkopf und zu flacher Nase, d. h. nicht extrem brachyzephal. Die Stirn kann Falten haben, sie sollten jedoch nicht zu schwer sein, und Falten sind nicht erforderlich.

Kommentar: Der Grund für die Notwendigkeit eines weniger brachyzephalen Schädels ist, dass er mit Atemproblemen sowie Problemen mit den Augen und dem Gebiss korreliert. Außerdem führt ein zu großer Kopf der Welpen zu Wurfschwierigkeiten für die Hündin. Übermäßige Falten können Pilze und Bakterien beherbergen und sollten daher vermieden werden. (Lesen Sie mehr über BOAS, Augen und Gebiss sowie über das Werfen in der Zuchtstrategie.)

Foto: Nina Rimann
Mopszucht vom Odenwald

2. Nase

Die Nase sollte 20–50% der Länge des Schädels betragen, vom Stop bis zum Hinterhauptsvorsprung. Eine Nasenfalte ist nicht benötigt. Wenn vorhanden, sollte es minimal und vorzugsweise geteilt sein.

Kommentar: Forschung hat gezeigt, dass das Risiko für BOAS (Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome) bei einer Nasenlänge von 3% der Schädellänge 95% beträgt. Dieses Risiko halbiert sich, wenn die Nase 20% der Schädellänge erreicht, und bei 50% der Schädellänge verschwindet das Risiko im Prinzip insgesamt (Packer et al. 2015, 8). Eine kurze Nase führt auch zu einer minderwertigen oder im Grunde genommen keiner Abkühlung des Körpers bei warmem Wetter, da die gefaltete Schleimhaut der Schnauze, die die Abkühlung erlangt, bei einem Hund mit kurzer Nase nicht genügend Platz hat (Bodegård und Hedhammar, 3). (Lesen Sie mehr über BOAS hier.)

Wenn die Nasenfalte zu groß und die Nase zu kurz ist, kann dies die Atmung durch die Nase behindern. Oft drückt es auch die Haut gegen die Augen, so dass das Fell die Augen erreicht, was normalerweise bei Möpsen zu einer pigmentierten Keratitis führt. Sogar die Nasenfalte selbst kann an den Augen scheuern und dasselbe Problem verursachen. (Lesen Sie mehr über Augen hier.)

Foto: Nina Rimann
Mopszucht vom Odenwald

Der Nasenspiegel sollte gut geöffnete Nasenlöcher haben.

Kommentar: In einer Studie wurde gezeigt, dass enge Nasenlöcher ein externer Indikator für BOAS sind (Liu et al. 2017, 5-7, 9). Die Hunde, die in der Zucht eingesetzt werden, sollten möglichst offene Nasenlöcher haben. (Lesen Sie mehr über Nasenlöcher unter „Brachyzephales Obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS)”.)

3. Kiefer

Der Kiefer sollte gut entwickelt sein und Platz für die Zähne bieten.

Kommentar: Der Mops muss einen besseren zahnärztlichen Status erhalten, um Leiden zu reduzieren, und um seltener zum tierärztlichen Zahnarzt gehen zu müssen. Ein Mops mit kurzer Nase hat normalerweise zu wenig Platz für die Zähne im Mund, was bedeutet, dass sie schräg und sehr nahe beieinander stehen. Dies führt wiederum zu erhöhten Schwierigkeiten, die Zähne sauber zu halten. Die Notwendigkeit von Zahnbehandlungen ist eher die Regel als die Ausnahme bei Möpsen. Zahnreinigung wegen Parodontitis ist auch eine Sache, für die der Hundebesitzer (zumindest in Schweden) keine Entschädigung von den Versicherungsgesellschaften erhält, so dass ein schlechter Zahnstatus kostspielig sein kann. (In Schweden wird in der Regel eine Entschädigung für die Entfernung hartnäckiger Milchzähne und -zysten gewährt. Fragen Sie Ihre Versicherungsgesellschaft, wie diese entschädigt werden.) (Weitere Informationen zum Gebiss können Sie hier lesen.)

4. Augen

Die Augen sollten in den Schädel eingebettet sein und nicht hervorstehen. Ein normales Hundeauge ist mandelförmig, wie es auch das Mopsauge sein sollte.

Kommentar: Wenn die Augen in den Schädel eingebettet sind, vermeiden wir mechanische Schäden an den Augen des Mopses. Hervorstehende Augen kommen häufig mit der Umgebung in Kontakt, was dazu führt, dass sich das Auge durch die Produktion von Pigmenten schützt. Ebenso können Wimpern, die an den falschen Stellen wachsen, und das Auge reizen, eingerollte Augenlider und Probleme mit der Tränenflüssigkeit sowie eine zu große Nasenfalte dazu führen, dass das Auge zum Schutz des Auges eine pigmentierte Keratitis bildet (siehe z. B. Wallin Håkansson et al. 2014). Eine runde Augenform in Kombination mit einer oder mehreren der genannten Augenkrankheiten ist ein Zeichen des Brachyzephales Okular Syndroms (BOS). Um BOS zu vermeiden, sollten die Augen des Mopses mandelförmig sein. (Lesen Sie mehr über Augen unter dem Abschnitt „Augen (Brachyzephales Augensyndrom”.)

Foto: Gitte Babbel
Mopszucht vom Minzenbach

5. Ohren

Die Ohren sollten dreieckig, klein, dünn und weich sein. Sie sind ungefähr so platziert, dass sie in einer Linie mit dem oberen Teil des Kopfes sind, und die Ohrspitze reicht bis in Augenhöhe oder etwas länger. Es gibt zwei Arten von Ohren: Rosenohren und Knopfohren. Rosenohren haben eine Falte entlang des Ohrs, die die Ohröffnung sichtbar macht. Die Knopfohren bedecken die Ohröffnung.

Kommentar: Variationen werden empfohlen, da sie die genetische Vielfalt widerspiegeln. (Lesen Sie mehr über genetische Vielfalt unter Genetik hier.)

6. Hals

Der Hals sollte gut entwickelt sein, damit die Luftröhre und die Speiseröhre freien Durchgang haben.

Kommentar: Atemprobleme können auch in der Luftröhre und in den Bronchien auftreten. Die Grundursache ist die brachyzephale Schädelform, die noch weiter in den Atemwegen Defekte mit sich bringt. Daher muss der Schädel des Mops weniger brachyzephal werden. (Mehr dazu unter „Brachyzephales Obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS)” in der Zuchtstrategie.)

7. Haut

Die Haut des Körpers soll straff und möglichst frei von Hautfalten sein.

Kommentar: Hautfalten erhöhen das Risiko von Pilzen und Bakterien.

Foto: Katja Schuchtmann
Retromopshunde vom Pappelbusch

8. Rücken

Der Mops soll einen geraden Rücken mit normal abgerundeter Lendenwirbelsäule haben.

Kommentar: Ein kompakter Rücken führt häufig zu Wirbeldefekten. Daher sollte der Mops eine normale Rückenlänge und eine rechteckige Form haben. (Lesen Sie mehr über Wirbelkörperanomalien unter „Keilwirlbel und andere Wirbelanomalien” in der Zuchtstrategie.)

Foto: Gitte Babbel
Mopszucht vom Minzenbach

9. Beine

Der Mops soll ausreichend lange Beine mit normalen (geraden) Vorder- und Hinterbeinen haben. Die Hinterbeine sollten gut, aber nicht zu stark angewinkelt sein.

Kommentar: Ausreichend lange Beine geben dem Mops eine gute Schrittlänge und regen die Bewegungsfreiheit an.

„Wenn der Hund trabt, ist die Harmonie zwischen den Winkelverhältnissen vorne und hinten sehr wichtig, da eine gute Balance einen leichten und rhythmischen Gang ergibt, der nur minimale Anstrengung und Energie erfordert.“ (Lindholm et al. 2015, 44, meine Übersetzung aus dem Schwedischen)

10. Pfoten

Die Pfoten sollen eine Form zwischen der eines Hasen und einer Katze haben. Die Zehen sollten gespreizt und der Mittelfuß kräftig sein.

11. Rute

Die Rute soll geringelt sein oder über dem Rücken liegen. Sie sollte gut aber nicht zu hoch angesetzt sein.

Kommentar: Es gibt Wissenschaftler, die argumentiert haben, dass der geringelte Rute des Mopses mit Wirbelanomalien zusammenhängt (siehe z. B. Kuhly, „Hemivertebrae“). Wir glauben stattdessen, dass es der kompakte Rücken ist, der Wirbelanomalien hervorruft, da es viele Rassen gibt, die eine geringelte Rute haben, ohne Probleme mit Wirbeldefekten zu haben. Darüber hinaus stellen wir fest, dass Wirbelanomalien bei Möpsen verschwinden, wenn sie eine normale Rückenlänge erreichen, wie z. B. bei dem altdeutschen Mops und dem Retromops. Wir glauben, dass Übertreibung zu Problemen führen kann. Daher halten wir es für einen Vorteil, wenn die Rute nicht zu hart und auch nicht doppelt geringelt ist.

Foto: Nina Rimann
Mopszucht vom Odenwald

12. Körperform

Der Körper sollte muskulös und leicht rechteckig sein.

Kommentar: Ein rechteckiger Körper schafft Platz für die Organe und gibt dem Mops die Möglichkeit, den Schritt zu verlängern, ohne „quer“ laufen zu müssen (siehe Lindholm et al. 2015, 46).

13. Farben

Beige und Schwarz sind traditionelle Mopsfarben, aber historisch gesehen, sehen wir auch weiße, gestromte und scheckige Möpse.

Kommentar: Durch eine Vielzahl von Farben erhalten wir eine höhere genetische Variation in der Rasse, was im Allgemeinen wünschenswert ist, um eine erhöhte Gesundheit und Fruchtbarkeit zu erreichen. Wir raten nur von Farben ab, die mit defekten Genen in Verbindung stehen, wie Merle.

Pacco, ein black-and-tan Bub
Foto: Gitte Babbel
Mopszucht vom Minzenbach

14. Mentalität und Beweglichkeit

Der Mops soll offen und fröhlich sein und Menschen und andere Hunde sowie andere Tiere mögen. Er hat einen beweglichen Körper und rennt und bewegt sich gerne, springt und klettert.

Kommentar: Der Mops eignet sich gut für Dog Dance, Agility, Parkour, Nosework, Spurensuche usw.

15. Genetik

Genetisch benötigt der Mops neue Gene von einer Spenderrasse, um die Gesundheit zu verbessern.

Kommentar: Der Anteil der Spenderrasse sollte im Bereich von 20 –5% liegen. Darüber hinaus ist es gut, wenn Züchter Hunde besitzen, die einen höheren Anteil an Genen der Spenderrasse aufweisen, die für die Zucht verwendet werden können. (Lesen Sie mehr unter „Genetische Vielfalt” in der Zuchtstrategie.)

Foto: Katja Schuchtmann
Retromopshunde vom Pappelbusch

Quellen und weitere Lesung

Bodegård, Göran och Åke Hedhammar, „Det brakycefaliska syndromet”. Svenska Kennelklubbens Andnings-DVD-projekt. Manuskript auf der Website des schwedischen Kennel Clubs (SKK). https://www.skk.se/globalassets/dokument/utstallning/brakycefaliska-syndromet.pdf 
200817 geholt.

Kuhly, Patty. „Hemivertebrae”. https://www.embracepetinsurance.com/health/hemivertebrae
220817 geholt.

Lindholm, Åsa, Catharina Linde Forsberg und Ingalill Blixt. 2015. Hunduppfödning i teori och praktik. Svenska kennelklubben.

Liu, Nai-Chieh et al. 2017. „Conformational risk factors of brachycephalic obstructive airway syndrome (BOAS) in pugs, French bulldogs and bulldogs”. Plos One 12, 24 s.

Packer, Rowena et al. 2015. „Impact of Facial Conformation on Canine Health: Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome”. Plos One 10, 21s.

Wallin Håkansson, Berit, Sheila Crispin und Nils Wallin Håkansson. 2014. „Hundars ögonhälsa”. www.skk.se/globalassets/dokument/uppfodning/externa-artiklar/ogon-berit-w/hundars-ogonhalsa.pdf 200619 geholt