Genetische Vielfalt

© Therese Rodin

Hintergrund: Nahezu alle Rassen befinden sich derzeit aufgrund von Inzuchtdepression in einer Krise. Die große Mehrheit der Rassen wurde geschaffen, indem eine begrenzte Anzahl von Individuen aus dem Ursprungsland in der Zucht verwendet wurden. Dann wurden die Zuchtbücher geschlossen und die Hunde, die als Vertreter der Rasse akzeptiert wurden (d.h. die in den Zuchtbüchern eingetragenen), wurden bald Verwandte. Dies bedeutet, daβ wir mehrere Tausend Hunde in einer Population (Rasse) haben können (Beispiel: 2017 wurden 5479 Möpse bei der schwedischen Landwirtschaftsbehörde registriert), aber alle sind hinten in den Linien verwandt.

Genetisch bedeutet Verwandtschaft zwischen verschiedenen Individuen, daβ sie die gleichen Gene oder vielmehr die gleichen Allele haben, d.h. Varianten desselben Gens, sowohl in jedem Genort eines Gens als auch in jedem Genpaar. Letzteres bedeutet Homozygotie und ist etwas, das reinrassige (= ingezüchtete) Hunde kennzeichnet. Jedes Gen hat üblicherweise viele verschiedene Varianten (Allele), und es sind die Varianten, die Variationen zwischen Individuen hervorbringen. Reinrassige Hunde sind ein neues Phänomen, das im Westen im 19. Jahrhundert entstand, als Zuchtbücher für Hunderassen erstellt, und dann für die Aufnahme neuer Individuen geschlossen wurden. Nur die wenigen Hunde, die in den Zuchtbüchern registriert waren, und ihren Nachkommen, durften züchten. Die Zucht von reinrassigen Hunden zielt darauf ab, Allele zu beseitigen, die Eigenschaften geben, die nicht gewünscht sind, wie z.B. eine Farbe oder eine Ohrform, so daβ die Individuen in der Population einander ähnlicher werden. Alle Rassen wurden durch die Verpaarung von nahen Verwandten hervorgebracht, da Verwandte ähnliche Gene (Allele) haben. Auf diese Weise wird die Kontrolle über das Aussehen und Verhalten der Nachkommen erstellt.

Die Zucht von reinen Rassen, mit geschlossenen Zuchtbüchern bereitet jedoch viele Probleme. Da Gene in „Paketen“, sogenannten Haplotypen, vererbt werden, bedeutet dies normalerweise, daβ wenn ein Allel weggewählt wird, das man nicht möchte, verliert man auch viele andere Allele anderer Gene. Das bedeutet, daβ auch andere Züge fixiert werden, die nicht gewünscht sind. Der Grund warum, es heute so viele genetische Erkrankungen bei reinrassigen Hunden gibt – was auch explosionsartig wächst – ist, daβ viele Genvarianten weggeräumt wurden, so daβ viele Hunde das gleiche defekte rezessive Allel in einem Genpaar haben. Wenn dann zwei Hunde, die dieses rezessive defekte Gen tragen, gepaart werden und Welpen produzieren, die zwei defekte Gene in einem Genpaar haben, werden die Welpen krank. In einer Population, wo der Genpool eine grosse Vielfalt hat, passiert dies kaum. Selbst wir Menschen tragen defekte rezessive Allele, aber das Risiko, daβ wir jemanden treffen, der das gleiche defekte Allel hat, ist aufgrund der großen Genvariation des Menschen unglaublich klein.

”Der effizienteste Weg, Welpen herzustellen, die für ein rezessives Allel homozygot sind, ist das Züchten von verwandten Hunden. In einer Population von registrierten, reinrassigen Hunden sind ALLE Hunde verwandt, wenn weit genug hinten in die Linien gegangen ist, und je mehr naheligend die Vorfahren sind, desto mehr Gene – gute und schlechte – haben sie gemeinsam.

Erbkrankheiten sind also eine vorhersagbare – sogar garantierte – Folge von Inzucht bei Hunden […]. Es besteht immer ein Risiko, und Sie können dieses Risiko erkennen, indem Sie den Inzuchtkoeffizient berechnen.” (Carol Beuchat 2018, meine Übersetzung)

Zucht von reinrassigen Hunden bedeutet neben dem Variationsverlust, daβ das Risiko der Expression defekter Allele erhöht, auch einen Verlust der „Fitness”. Reinrassige Hunde mit einem hohen Inzuchtkoeffizient sind einfach nicht so lebensfähig wie Hunde mit einem niedrigen Inzuchtkoeffizient. Dies äußert sich in einer verminderten Fruchtbarkeit, weniger Welpen im Wurf, einer erhöhten Welpensterblichkeit, verschiedenen Erkrankungen der Hunde und einer verkürzten Lebensdauer. Es ist in der Forschung wohlbekannt, daβ, wenn zwei reinrassige Hunde aus verschiedenen Rassen gepaart werden, „Hybridvitalität” („hybrid vigor”) auftritt, d.h. eine große Vitalität, weil die Paarung einen neuen Gensatz ergibt (z.B. Sponenberg et al. 2017: 87f.).

Indem man einer Rasse neue Gene hinzufügen, kann man also dadurch Gesundheit und Vitalität steigern. Um die Vitalität zu erhalten, reicht es jedoch nicht aus, eine Kreuzung durchzuführen und dann für viele Generationen zur ursprünglichen Rasse zurückzukehren. Regelmäßige Kreuzungen haben sich als der effektivste Weg erwiesen, um mit Inzucht umzugehen. Weder ein einziger noch ein paar gekreuzte Würfe reichen aus; Die Rasse muss regelmäßig gekreuzte Würfe haben. Ungefähr 5% aller in einem Zeitraum von 25 Jahren geborenen Würfe müssen laut einer neuen Studie das Ergebnis einer Kreuzung sein (Windig und Doekes 2018).

Unten sehen Sie einen Retromops (links) und einen Rassmo (rechts), die zu einer genetischen Vielfalt der Mops-Rasse beitragen. Otto (links) ist ein Retromops mit 25% Parson Russell Terrier-Anteil, und Ottos Mutter Ghana (rechts) ist ein Rassmo, d.h. 50% Mops und 50% Parson Russell Terrier. Beide sind von der Nase bis zur Rute top fit.

Foto: Nina Tissen

Wie sieht der Inzuchtanteil beim Mops aus? Dreger et al. (2016) haben den Inzuchtgrad bei 112 Rassen überprüft und den Inzuchtgrad genetisch untersucht. (Die Kennel-Clubs prüfen immer noch den Grad der Inzucht in Datenbanken mit Stammbäumen. Der schwedische Kennel Club (SKK) berechnet zum Beispiel nur den Inzuchtkoeffizienten in den Stammbäumen über fünf Generationen hinweg (SKKs Berechnung des COI), was jedoch irreführend ist, da alle reinrassige Hunde hinten in den Linien verwandt sind.) Der Inzuchtkoeffizient (COI) für den Mops in der Analyse von SNPs (Genmarker, mit denen die Forscher den Prozentsatz der genetischen Inzucht untersuchten) betrug durchschnittlich 44,2%. Es sollte mit der Paarung von zwei Halbgeschwistern verglichen werden, die zu einem Inzuchtkoeffizienten von 12,5% bei den Welpen führt, und mit einer Paarung von zwei Vollgeschwistern, wo der Inzuchtkoeffizient bei den Welpen 25% beträgt. Man kann also sagen, daβ der Mops als Rasse unter einer enormen Inzuchtdepression leidet. Wir glauben, daβ sie eine wichtige Ursache für die verschiedenen Krankheiten ist, die beim Mops vorkommen, wie Epilepsie, PDE, PM und so weiter. Untersuchungen haben gezeigt, daβ gesundheitliche Probleme aufgrund von Inzucht beginnen, wenn der Inzuchtkoeffizient 5% übersteigt (Beuchat 2016).

Ziel: Um den Mops als Rasse erhalten zu können, müssen wir die genetische Vielfalt erhöhen. Dies kann nur durch Kreuzung erreicht werden. Das Ziel ist, daβ alle Möpse irgendwann einen Anteil an „neuen” Genen haben werden, etwa 5 bis 20 Prozent. Wir brauchen auch Individuen, die einen höheren Anteil an Genen einer anderen Rasse haben. Letzteres wird bei der Arbeit zur Verbesserung des Mopses wertvoll sein und können mit Möpse kombiniert werden, die einen sehr hohen Anteil an Mops-Genen aufweisen.

Die genetische Vielfalt wird es uns ermöglichen, mit den aktuellen Gesundheitsproblemen des Mops sowie mit Fruchtbarkeitsproblemen u.s.w. zurechtzukommen.

Strategie: Da es derzeit anscheinend so aussieht, als seien die Zwingerclubs in der Regel nicht bereit, Kreuzungszuchtprogramme zu beginnen, empfehlen wir jedem einzelnen Züchter, sicherzustellen, daβ alle seine Möpse einen Anteil von 5-20% von einer Spenderrasse haben, und auch Hunde mit einer größerer genetischer Anteil dieser Rasse, die in der Zucht verwendet werden kann. Bei der Auswahl einer Spenderrasse ist es wichtig, eine gesunde Rasse zu wählen, die die schwachen Seiten des Mopses vervollständigt. In Deutschland wurde Parson Russell Terrier erfolgreich als Spenderrasse eingesetzt. Zwergpinscher ist eine weitere Rasse, die erfolgreich zur Verbesserung des Mopses eingesetzt wurde.

Der Mops Theo ist 87,5% Mops und 12,5% Parson Russell Terrier.
Foto: Liane Seemann, Mopszucht vom Ilexwald

Quellen und weitere Lesung:

Beuchat, Carol. 2016. „Inbreeding of purebred dogs determined from DNA”. Blogartikel, Institute of Canine Biology.

Beuchat, Carol. 2018. „Managing genetics for the future”. Kurs bei der Institute of Canine Biology.

Dreger, D. L., M. Rimbault, B. W. Davis, A. Bhatnagar, H. G. Parker und E. A. Ostrander. 2016. „Whole genome sequence, SNP chips and pedigree structure: building demographic profiles in domestic dog breeds to optimize genetic trait mapping”. Disease Models & Mechanisms 9, 1445–1460.

Malm, Sofia „Släktskap och inavel: om avelsmetoder och structurer”, in: Sofia Malm und Åsa Lindholm. 2013. Hundavel i teori och praktik. Svenska kennelklubben, 128–147.

Sponenberg, Phillip, Alison Martin und Jeannette Beranger. 2017. Managing breeds for a secure future. Sheffield: 5m Publishing.

Windig, J. J. und H. P. Doekes. 2018. „Limits to genetic rescue by outcross in pedigree dogs”. Animal Breeding and Genetics 135, 238–248.

Kapitel in Strategien zur Zucht von gesunden Möpsen