PDE/NME und andere nicht-viral induzierte Enzephalitide

© Therese Rodin

Die häufigste Variante der nicht-viral-induzierten Enzephalitis beim Mops wird häufig als Pug-Dog-Enzephalitis (PDE) bezeichnet, manchmal jedoch auch nekrotisierende Meningoenzephalitis (NME). Da nicht nur Möpse an der Krankheit leiden, ist letzteres genauer.

Hintergrund: Granulomatöse Meningoenzephalitis (GME), nekrotisierende Meningoenzephalitis (NME) und nekrotisierende Leukoenzephalitis (NLE) sind entzündliche Erkrankungen des Gehirns des Hundes. Alle drei Krankheiten scheinen Autoimmunreaktionen zu sein. Es ist oft schwierig, genau zu diagnostizieren, an welcher Krankheit der Hund leidet. Nur bei der Autopsie kann man mit größerer Sicherheit sagen um welche es geht (Talarico und Schatzenberg 2010: 138). Möpse sind hauptsächlich von NME betroffen, können aber auch in GME und NLE sowie von den Forschern als „Meningoenzephalitis unbekannter Ätiologie” bezeichnet werden, erkranken (Levine et al. 2008: 962; Talarico und Schatzenberg 2010: 139, 142, 145; siehe auch Park et al., 2012: 683 für NME und NLE beim Mops.) Levine et al. untersuchten 74 Möpse, die an einer nicht-viralen Enzephalitis gestorben waren. Von denen hatten 81% NME, während die anderen 19% eine der anderen Formen der nicht-viralen Enzephalitis hatten. In einer anderen Population von 16 Möpse, die an einer nicht-viralen Enzephalitis starben, wurde bei 69% NME diagnostiziert und bei den verbleibenden Patienten wurde eine andere nicht-viral initiierte Enzephalitis festgestellt (Levine et al. 2008: 964).

Bei NME wurde gezeigt, daβ ein erhöhtes Erkrankungsrisiko mit einer bestimmten Genetik des Mopses zusammenhängt. Greer et al. haben auf Chromosom 12 drei spezifische Bereiche gefunden, die bei den Möpsen with NME wiederkehren. (Chromosom 12 enthält Gengruppen, die mit dem Immunsystem verknüpft sind.) Sie untersuchten eine Population von 35 Möpsen, die an NME erkrankt waren, und eine Kontrollgruppe von 38 Möpsen, die nicht erkrankt waren. Unter den Möpsen, die krank waren, identifizierten die Forscher in stärkerem Maße drei Genvarianten (Allele) von drei spezifischen Genen auf Chromosom 12. 21 der 35 betroffenen Hunde waren für die drei Allele homozygot und 11 der betroffenen waren für diese Allele heterozygot. (Drei der kranken Hunde hatten diese Allele nicht.) Unter den 38 nicht erkrankten Möpse waren vier für diese Allele homozygot und 11 waren heterozygot (Greer et al. 2010: 112, Tabelle 3, 115). (23 von den gesunden Möpsen hatten diese Allele nicht.)

Da so viele der von NME betroffenen Möpse mit diesen Allelen homozygot waren, muss man mit einem höheren Risiko für die homozygoten Hunde rechnen. Es gab auch einige der erkrankten Möpse, die heterozygot waren, und daher ist unsere Interpretation, daβ man sogar davon ausgehen muss, daβ sogar die Einzelträger ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, verglichen mit den Möpsen, die nicht dieses Allel haben. Da nicht jeder, der diese Allele haben, krank wird, ist es wahrscheinlich, daβ andere Gene sowie die Umwelt mitspielen, damit die Krankheit ausbricht (Greer et al. 2010: 114).

Man sieht beim Mops eine Entwicklung mit einer erhöhten Homozygotisierung von mit NME verbundenen Allelen, die nach Ansicht der Forscher auf einen Verlust der genetischen Vielfalt und eine allgemein erhöhte Homozygotie zurückzuführen ist, die häufig auf ”einen starken männlichen Gründereffekt” (”a strong male founder effect”) zurückzuführen ist. Sie schreiben, daβ 87% aller Möpse auf einen einzigen Rüde zurückgehen, und außerdem gibt es drei weitere Rüden, von denen jeder 4% in der restlichen Population Gründer sind. Sie schreiben weiter:

„Die Zucht von reinrassigen Hunden hat zum Auftreten vieler schädlicher Merkmale beigetragen und wurde früh als potentieller Faktor für das zunehmende Auftreten einer Vielzahl von Autoimmunerkrankungen bei Hunden erkannt.” (Greer et al. 2010: 115, meine Übersetzung)

In der Studie von Levine et al. betrug das mittlere Alter der Krankheitsausbrüche bei Möpse mit NME 27,5 Monate, d.h. 2 Jahre und 3½ Monate, mit einer Spanne von 4 bis 113 Monaten, d.h. von 4 Monaten bis 9 Jahren (2008: 964). In einer anderen Studie wurde das Debüt zwischen sechs Monaten und sieben Jahren mit einem Durchschnittsalter von 29 Monaten festgelegt. Die Krankheit hat am häufigsten bei jungen Hunden ausgebrochen (Talarico und Schatzenberg 2010: 143). Die anderen Enzephalite erscheinen normalerweise etwas später als NME. Z.B. laut einer Studie (die mehrere Rassen umfasste) trat GME zwischen 6 Monaten und 12 Jahren auf, mit einem Durchschnittsalter für den Beginn der Erkrankung von 4 Jahren und 7 Monaten (ibid. 139; Levine et al. 2008: 965).

In allen genannten Enzephaliten erkranken Hündinnen häufiger als Rüden. Im Falle von NME, jedoch nicht bei den anderen Enzephaliten, haben erkankte Hunde oft ein geringeres Körpergewicht als die Kontrollgruppe (Levine et al. 2008: 963, 965).

Die Prognose für Möpse, die von einem der nicht-viralen Enzephaliten betroffen sind, ist schlecht. Wenn der Hund nicht behandelt wird, stirbt er normalerweise innerhalb weniger Tage oder Wochen. Häufig auftretende Symptome sind Krämpfe, Depressionen, in Kreisen gehen, Auswirkungen auf den Sehkortex, Sehstörungen und letztendlich der Tod (Talarico und Schatzenberg 2010: 143). In der Studie von Levine et al. überlebten Möpse mit NME im Durchschnitt 93 Tage und diejenigen mit einem der anderen nicht-viral initiierten Enzephaliten im Durchschnitt 112 Tage (2008: 964).

Bezüglich des Überlebens schreiben Levine et al., daβ ihre Daten in der Weise verzerrt werden könnten, daβ nur Möpse, die an der Krankheit starben, in die Studie einbezogen wurden. Es kann sein, daβ die am stärksten von der Krankheit betroffenen Möpse eingeschlossen wurden und daβ die Überlebenszeit daher nicht auf alle Möpse mit nicht-viraler Enzephalitis verallgemeinert werden kann (Levine et al. 2008: 966).

Ziel: Das Ziel ist, daβ kein Mops diese Krankheit erleben wird. (Lesen Sie eine persönliche Geschichte über PDE/NME hier auf der Website.)

Mimmi, Überlebender der PDE. Sie wurde im Oktober 2013 krank und nach einer harten Reha ist sie wieder zurück zum Leben gekommen und lebt immer noch ein gutes Leben in unserer Familie. <3

Strategie: Das Erkrankungsrisiko in nicht-viraler Enzephalitis kann derzeit nur für PDE/NME getestet werden. Nicht alle Hunde, die mit dem Genmarker homozygot sind, entwickeln die Krankheit, und es gibt weniger Heterozygote, die sie entwickeln. Da es so schwerwiegend ist, plädieren wir weiterhin dafür, daβ alle Hunde, die für die Zucht vorgesehen sind, den Gentest für PDE/NME machen sollen. Wenn ein Mops Doppelträger (homozygot) oder Einzelträger (heterozygot) ist, und älter ist als das übliche Alter für die Erkrankung, etwa 3–4 Jahre, und Eigenschaften hat, die der Rasse etwas hinzufügen kann, kann er mit einem Mops der nicht den Genmarker für PDE/NME hat, kombiniert werden. Da auch heterozygote Hunde ein höheres Risiko haben, an der Krankheit zu erkranken, als diejenigen, die dieses Genset nicht haben, besteht das Ziel darin, daβ diese Gene nicht langfristig in der Mops-Population verbleiben.

Da Gene häufig in Clustern, sogenannte Haplotypen, vererbt werden, bedeutet das Entfernen von Trägern der NME-bezogene Gene den Verlust vieler anderer Gene. Der Mops ist bereits in Bezug auf die genetische Vielfalt erschöpft und solange keine neuen Gene (von anderen Rassen) eingeführt werden, wird die genetische Vielfalt immer kleiner, weil Gene ständig verloren gehen. Je weniger genetische Variationen vorhanden sind, desto mehr genetische Erkrankungen treten wahrscheinlich auf. Daher kann die Entfernung von etwas, das Sie nicht möchten, zu neuen problematischen Situationen führen. Trotzdem ist unsere Strategie, daβ dieses Genset irgendwann weg sein sollte. Die einzige langfristige Heilung für verringerte genetische Variation und Homozygosität besteht darin, Kreuzungen durchzuführen. (Mehr dazu finden Sie weiter unter „Genetische Vielfalt“.)

Bezeichnungen von freien, Einzelträger (heterozygote) und Doppelträger (homozygote):

Laboklin N/N N/PDE PDE/PDE
UC Davis N/N N/S S/S

Quellen und weitere Lesung:

Greer, K. A. et al. 2010. „Necrotizing meningoencephalitis of Pug Dogs associates with dog leukocyte antigen class II and resembles acute variant forms of multiple sclerosis”. Tissue Antigens: Immune Response Genetics 76, 110–118.

Levine, J. M. et al. 2008. „Epidemiology of Necrotizing Meningoencephalitis in Pug Dogs”. Journal of Veterinary Internal Medicine 22, 961–968.

Park, E. S. et al. 2012. „Comprehensive Immunohistochemical Studies on Canine Necrotizing Meningoencephalitis (NME), Necrotizing Leukoencephalitis (NLE), and Granulomatous Meningoencephalomyelitis (GME)”. Veterinary Pathology 49, 682–692.

Talarico, Lauren R. und Scott J. Schatzenberg 2010. „Idiopathic granulomatous and necrotising inflammatory disorders of the canine central nervous system: a review and future perspectives”. Journal of Small Animal Practice 51, 138–149.

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